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Bericht zur Eröffnungsveranstaltung der Fotoausstellung 

Irland im Blick des Dramatikers John Millington Synge

am Freitag, 3. September 2021 im Haus der Evangelischen Kirche Bonn

Der irische Dramatiker John Millington Synge, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, ist berühmt für sein einflussreiches literarisches Schaffen. Weniger bekannt ist, dass er auch als Fotograph ein beachtliches Werk hinterlassenhat, das ein wertvolles authentisches Dokument vom Leben der einfachen Leute in Irland aus der Zeit um 1900 darstellt. Viele seiner großformatigen Aufnahmen sind derzeit im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn zu sehen.

Die Eröffnung dieser Ausstellung fand am Freitagabend, dem 3. September statt, in Anwesenheit hochrangiger Gäste,darunter Frau Dr. Ursula Sautter, Bürgermeisterin der Stadt Bonn, und Professor Dr. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn.

Der eigens angereiste Präsident der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg, Matthias Fleckenstein, berichtete vom Werdegang dieser Ausstellung, die erstmals 2014 in Würzburg und danach 2019 in Dublin zu sehen war. Für Bonn wurde sie nochmals um zahlreiche Fotos von den westirischen Aran-Inseln erweitert. Dort hat Synge mehrere Jahre verbracht, unter anderem um die irische (gälische) Sprache zu lernen. Die Erfahrungen, die er dort im Zusammenleben mit den Menschen machte, dienten ihm später als Grundlage für sein Bühnenwerk.

Mit Würzburg verbindet den Dramatiker Synge ein wichtiges Kapitel seiner Biographie. Denn dort studierte er Musik und Kompositionstechnik. Dort reifte aber auch sein Entschluss, sich von der Musik ab- und der Literatur zuzuwenden.

In einem Vortrag zu Leben und Werk des irischen Autors zeigte Prof. Marion Gymnich (Universität Bonn), wie sich die ausgestellten Photographien zum literarischen Werk Synges in Beziehung setzen lassen.

Abschließend gab Dr. Arndt Wigger vom Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen eine Kostprobe aus Synges Buch über die Aran-Inseln. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Tom Kannmacher. Neben traditionellen Melodienauf den Uillean Pipes, dem irischen Dudelsack brachte er Lieder von den Aran-Inseln in irisch-gälischer Sprache zu Gehör, die Synge in seinem Buch erwähnt. Sie lieferten den passenden akustischen Rahmen für das in Wort und Bild aus der Vergangenheit heraufbeschworene Bild Irlands, in welches das Publikum eingeladen wurde einzutauchen.

Veranstalter der Ausstellung sind die Deutsch-Irische Gesellschaft Bonn unter ihrem Präsidenten Peter Dietsch, das Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen in Königswinter mit seinem Vorsitzenden Dr. Gisbert Hemprich, die Universität Bonn mit dem Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie und die Deutsch-Irische Gesellschaft Würzburg mit ihrem Präsidenten Matthias Fleckenstein.

Zu sehen sind die Fotografien noch bis zum 28. November 2021 im Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, 53113 Bonn. Wegen Corona ist eine Anmeldung per E-Mail an <info@deirge-bonn.de> erforderlich. Im November folgen noch zwei Vorträge und zwei Filmvorführungen. Informationen hierzu finden sich unter http://wp.deirge-bonn.de/aktuelles/ auf der Webseite der Deutsch-Irischen-Gesellschaft Bonn. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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Weitere Veranstaltungen im Rahmen und thematisch zur Ausstellung gehörend:

2.11.21, 18 Uhr „J. M. Synge als Wanderer zwischen zwei Welten“ (Arndt Wigger)

4.11.21, 18 Uhr „Riders to the Sea“ (Film von 1935, remastered)

22.11.21, 18 Uhr „Deutschland aus irischer Sicht“ (Dr. Joachim Fischer, Zentrum für Deutsch-Irische Studien an der Universität Limerick)

23.11.21, 18 Uhr „Playboy of the Western World“ (Aufnahme einer Theateraufführung der Druid Theatre Company)

Copyright der Fotos: DEIRGE Bonn


Buchbesprechung (nur auf unserer deutschsprachigen Seite verfügbar)

Mark Mulhollands „Eine wahnsinnige und wundervolle Welt“.

Hinter dem Link und im Anhang finden Sie weitere Informationen zum Roman.

 
Rezension von Monica Brandis (bekannt als Initiatorin der Fotoausstellung „Die Kinder der Operation Shamrock“, präsentiert u.a. bei uns hier in Bonn 2019)
 
 

Johnny Donelly ist ein Glückspilz. Die Welt im irischen Dundalk in den 80er und 90er Jahren findet er „wahnsinnig und wundervoll“. Er ist beliebt, hat eine warmherzige Familie und einen guten Job als Schreiner. Und er liebt das schönste Mädchen der Welt, Cora, und sie liebt ihn. Aber er hat ein großes Problem. Er sieht überhaupt nicht ein, warum Irland von einer feindlichen Macht besetzt ist. Für Hungerstreiks von politischen Gefangenen hat er nichts übrig, denn da sterben für einige lächerliche Privilegien die eigenen Leute. Genug Briten müssen sterben, findet er, damit die Besetzer verschwinden, und mit eigener Hand will er mindestens zehn von ihnen erledigen. Britische Soldaten haben Johnnys  Vater tief gedemütigt, als Johnny ein kleiner Junge war. Ein Lehrer, der heimlich für die IRA tätig ist, erkennt Johnnys Potenzial und bildet ihm zum Kämpfer aus. Mit 16 begeht er seinen ersten Mord. Die ebenfalls „wahnsinnige und wundervolle“ Cora ist überzeugte Irin. Sie liebt die Mythen und Sagen des Landes und die Poesie der irischen Sprache, aber Gewalt lehnt sie ab. „Was ist mit diesen schrecklichen Bomben?“, fragt sie ihn, „ Du würdest nichts Böses tun, stimmt´s?“ Das schönste Mädchen würde nicht gutheißen, dass er als Untergrundkämpfer für die IRA arbeitet, und Jonny spürt einen Konflikt in sich.

Trotzdem tötet Johnny weiter, auch als er den falschen Mann erwischt. Auch, als ihm das schönste Mädchen der Welt vom Schicksal genommen wird. Erst auf einer Pilgerreise, die ihn einmal um die Insel führt, wird Jonny klar, dass sein Doppelleben ihm den Weg zu ehrlichen und liebevollen Beziehungen versperrt.  Als Johnny schließlich aussteigen möchte, erfährt er, dass die Spirale der Gewalt ihn in ihrem Sog hat und nicht loslässt.

Voll tiefer Vertrautheit mit dortigen Verhältnissen erzählt Mark Mulholland diese ganz speziell irische Geschichte. Vor den Augen der Leser lässt er das wenig bemerkenswerte Dundalk entstehen. Höhepunkte im Leben der Protagonisten sind Pommes mit Spiegelei und dazu ein Glas Milch, der Besuch in der Snookerhalle, Bier mit den Kumpels und Rumknutschen mit den Mädels. Ganz Vermessene wollen den Ort verlassen und an die Küste ziehen. Die Leute in Dundalk wollen wenig; es reicht ein bisschen Vergnügen, Ruhe und der Trost der katholischen Kirche. Das Resignative, das Hinnehmende, das Abduckende der Iren ist es, was Jonny nicht ertragen kann. Geschickt entwirft Mulholland in dem Fabrikarbeiter Bob, der augenscheinlich zufrieden 45 Jahre einen eintönigen Job ausübt, das sprechende Gewissen Johnnys. Nachdem Bob gestorben ist, erscheint er Johnny immer wieder und diskutiert mit ihm sein mörderisches Tun und das Wesen der Liebe.

Mulholland entwickelt die Geschichte langsam, und es dauert eine Weile, bis klar wird, welche Dramatik sich hinter Johnnys kleinem Leben verbirgt, mit welchen philosophischen Fragen er sich beschäftigt und wie weit er zu gehen bereit ist. Nicht von der Hand zu weisen ist Johnnys Argument, dass manchmal der als Terrorist gilt, der in einer Auseinandersetzung der Unterlegene ist, dass also manchmal nur Zeit und Umstände eine Tat zu einem Verbrechen machen. Gerade gegenüber den Frauen verbreitet Jonny gerne seine Weltsicht durch lockere Sprüche. Während er anfangs ganz klar und entschieden erscheint, setzt später bei Johnny ein Reflexions- und Reifungsprozess ein. Spätestens wenn die äußeren Umstände brutaler werden und Johnnys  Wandlung deutlicher, schlägt der Roman zu, und man will ihn nicht mehr zur Seite legen. Mulhollands Erstlingswerk ist Liebesgeschichte, politischer Thriller und ein Lehrbuch über Irlands gar nicht so ferne Geschichte. Die deutsche Ausgabe des Romans ist jetzt im Osburg Verlag erschienen, behutsam und sicher übersetzt von Ilka Schlüchtermann. Genial ist auch das Cover, ein Einschussloch zerreißt Irlands wunderschöne grüne Küste.

Monica Brandis

 

Weitere Informationen finden Sie hier: OsburgMulholland2017

Neue Veranstaltungsplanung 2. Hj. 2021 mit Stand 07.08. 2021